Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

kardiologische und internistische Überweisungspraxis

Die Mitarbeiter der Tierarztpraxis am Wandlitzsee wünschen Ihnen und Ihrem Vierbeiner frohe und besinnliche Weihnachtsfeiertage sowie einen angenehmen Jahreswechsel 2017/2018.

Flohbefall bei Hunden und Katzen

Es gibt weltweit über 2000 Floharten von denen etwa 70 Arten in Mitteleuropa nachgewiesen wurden. Bei Hund und Katze kommt am häufigsten der Katzenfloh  und seltener  der Hundefloh vor. Auch Igelflöhe und andere sind ab und zu nachweisbar.
Flöhe leben parasitär in dem sie Blut an warmblütigen Tieren saugen.
Ein Flohweibchen legt im Durchschnitt ca. 30 Eier/Tag, maximal 50 Eier/Tag, bis zu 3000 in seinem Leben. Dies führt zu einer explosionsartigen Vermehrung der Flöhe. Man geht davon aus, dass nur ca. 5% der Population als erwachsener Floh auf dem Tier lebt. Ca. 95% der Population sind als Eier, Larven und Puppen in der Umgebung verteilt. Die Eier sind nicht größer als ein Sandkorn und ohne Vergrößerung kaum zu erkennen. Je nach Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit schlüpfen die Larven nach maximal 10 Tagen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Flohkot, der aus unverdautem Blut besteht. Die Flohlarven sind lichtempfindlich und verkriechen sich deshalb in dunklere Bereiche (unter dem Sofa, in den Ritzen des Sofas, unter dem Schrank, in Teppichen wandern sie nach unten in den Flor hinein. Nach 2 Häutungen verpuppt sich die Larve. Das Puppenstadium dauert unter normalen Bedingungen ca. 8-9 Tage, bei ungünstigen Bedingungen kann ein Floh bis zu einem halben Jahr verpuppt bleiben. Durch Wärme, Erschütterungen und CO2-Anstieg in der Umgebung entpuppt sich der Floh innerhalb von Sekunden und springt auf seinen zukünftigen Wirt.
Erkrankungen
Ein geringer Flohbefall bleibt oftmals unentdeckt, da außer bei Flohspeichelallergie, der Juckreiz in diesem Fall nur gering ist. Dadurch ergibt sich das Problem, dass bei Entdeckung des Flohbefalls häufig schon die ganze Umgebung des Tieres mit Floheiern, Larven und Puppen verseucht ist. Bei stärkerem Befall verursachen Flöhe Juckreiz, Hautirritationen und extremes Unwohlsein. Durch das Verschlucken von Flöhen (bei der Fellpflege) können sie Bandwürmer (Gurkenkernbandwurm = Dipylidium caninum) übertragen, da der Floh diesem als Zwischenwirt dient. Bei starkem Befall kann sogar eine Anämie (Blutarmut) die Folge sein. Auch Flohspeichelallergien können ausgelöst werden. Hat ein Tier eine Flohspeichelallergie, reicht schon ein Floh aus um einen extremen Juckreiz auszulösen. Bei Katzen kann der Floh Mykoplasmen (Erreger der felinen infektiösen Anämie), Bartonella henselae (Erreger der Katzenkratzkrankheit) oder Rickettsia felis übertragen.
Diagnose
Juckreiz ist das Hauptsymptom bei Flohbefall. Flöhe sind meist mit bloßem Auge auf einem Tier nicht zu finden. Je dunkler, länger und dichter das Fell ist umso schwieriger wird es. Sehr gut funktioniert der Nachweis von Flohkot: mit einem engzackigen Kamm (Flohkamm) kämmt man das Tier ganz nah an der Haut aus. Das ausgekämmte Material auf ein feuchtes weißes Tuch (z.B. Küchentuch oder Taschentuch) geben. Da Flohkot auch unverdautes Blut enthält, verfärbt sich das Tuch rund um das Material rötlich. Bei einem frischen oder sehr geringen Flohbefall, kann der Test allerdings versagen.
Flohbekämpfung
Wichtig ist eine Behandlung aller Tiere im Haushalt mit einem wirksamen Flohmittel um erwachsene Flöhe auf dem Tier abzutöten. Es gibt eine breite Palette von hochwirksamen Medikamenten, die nicht frei verkäuflich sind. Dazu gehören Flohhalsbänder, Tabletten oder Spot-On-Präparate. Da aber 95 % der Population der Flöhe, besonders die Eier, Larven und Puppen nicht auf dem Tier sondern in der Umgebung zu  finden sind, muss die „Umgebungsbehandlung“ unbedingt mit in das Gesamtkonzept der Flohbekämpfung einbezogen werden. Dazu gehören die intensive Reinigung der Aufenthalts- und Lebensräume der Tiere, wiederholt täglich gründliches Saugen, Beutel entfernen (Auto nicht vergessen!), Decken, Schlafunterlagen etc. waschen oder entsorgen. Auch der Einsatz von Pestiziden in Form von Umgebungssprays oder Foggern kann erwogen werden, um der Flohplage Herr zu werden.
Gründe für ein Versagen der Flohbekämpfung sind:

  • herabgesetzte Wirksamkeit eines eingesetzten Präparates - Resistenzentwicklung
  • Spot on Präparat falsch aufgetragen – nicht direkt auf die Haut sondern auf die Haare
  • nicht alle Tiere im Haushalt behandelt
  • überlebende Larven und Eier in unbehandelten Wohnungsbereichen
  • regelmäßiger Kontakt zu Tieren mit Flohbefall (z. B. Wildtiere wie Igel, Eichhörnchen) oder Umgebungen die verseucht sind
  • die Behandlungsmaßnahmen wurde nicht lange genug durchgeführt (Eier und Puppen sind lange überlebensfähig) – mindestens 3 Monate

Wichtig ist, eine regelmäßige Flohprophylaxe durchzuführen. Ihr Tierarzt wird sie gern dabei unterstützen und beraten. Hier sind einige Richtlinien für die
Flohprophylaxe:

1. Tiere mit sehr geringem Risiko – kein Freigang und kein Kontakt zu anderen Tieren außerhalb des Haushaltes:

  • Tiere regelmäßig bei der Fellpflege auf Flöhe untersuchen – Behandlung nur bei einem Flohbefall (siehe oben)

2. Tiere mit normalem Risiko – regelmäßiger Freigang und Kontakt zu anderen Tieren außerhalb des Haushaltes. Diese Tiere sollten ganzjährig gegen Flöhe geschützt werden:

  • sollte das Tier nicht unter einer Flohspeichelallergie leiden und in einer Umgebung mit geringem Infektionsdruck leben (kalte Jahreszeit, wenig Kontakt mit anderen Tieren, geringe Tierpopulation in der Umgebung): in diesem Fall kann die alleinige Anwendung eines Insektenentwicklungshemmers ausreichen. Sollte es dann trotzdem einmal zu einem Flohbefall kommen, reicht i.d.R. die einmalige Anwendung eines Insektizids, da die abgelegten Floheier sich nicht entwickeln konnten.
  • bei einem höheren Infektionsdruck ist v.a. in der wärmeren Jahreszeit die regelmäßige Anwendung von Insektiziden in Kombination mit einem Insektenentwicklungshemmer anzuraten. Im Winter kann evtl. nur ein Insektenentwicklungshemmer genutzt werden.

Zusätzlich sollten Schlaf-, Liege- und Lieblingsplätze der Tiere regelmäßig gereinigt bzw. gewaschen werden.

3. Tiere mit Flohspeichelallergie – bei diesen Tieren sollte das Risiko auf einen Kontakt mit Flöhen möglichst minimiert werden

  • Kontakt mit Risikotieren und Risikoumgebungen vermeiden (z.B. Igel, ungepflegte Tiere, Tierheime)
  • konsequente ganzjährige Anwendung von Insektiziden in Kombination mit einem Insektenentwicklungshemmer

Natürlich sollten auch hier Schlaf-, Liege- und Lieblingsplätze der Tiere regelmäßig gereinigt bzw. gewaschen werden.

 (Dr. Rüdiger Freistedt – Tierarztpraxis am Wandlitzsee – Fachtierarzt für Kleintiere mit Zusatzbezeichnung Kardiologie, www.tierarztpraxis-freistedt.de)